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Neue Label-Pflicht für Heizungen. „Effizienz“ bezieht sich nicht auf Kosten

Neue Label-Pflicht für Heizungen. „Effizienz“ bezieht sich nicht auf Kosten

Neue Label-Pflicht für Heizungen: Deutschlands Handwerker zeigen sich wenig begeistert – zu Recht?

Im vergangenen Jahr wurde das neue „Effizienz-Label“ für Heizungsanlagen eingeführt. Seit Januar 2017 ist der Bezirksschornsteinfeger verpflichtet, bei der vorschriftsgemäßen Abnahme von Feuerstätten damit auch Anlagen zu versehen, die älter als 15 Jahre sind. Die Kennzeichnung dokumentiert, dass Geräte, die in gebrauchten Immobilien übernommen werden, selbst den verschärften Grenzwerten der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2014 noch entsprechen. Und beim Kauf von Neuware soll das Label die Entscheidung erleichtern helfen. Gute Sache also? Die deutschen Fachhandwerker scheinen da skeptisch zu sein, wie eine Umfrage der Beratergesellschaft „co2online“ zeigt.

Den Angaben von insgesamt 300 befragten Fachkräften zufolge stehen 62 Prozent der Hauseigentümer dem Label gleichgültig gegenüber, 22 Prozent lehnten es sogar ganz ab. Die mangelnde Begeisterung der Kunden schlägt sich auch aufs erhoffte Geschäft nieder, hatte der Gesetzgeber den Handwerkern das neue Label doch mit der Erwartung schmackhaft gemacht, dadurch würde sich auch die Austauschrate von Altgeräten erhöhen. 72 Prozent der Befragten gaben jedoch an, dass der Aufwand für das Ausstellen des Labels bislang größer ist als der wirtschaftliche Nutzen, den sie durch zusätzliche Aufträge erzielt hätten.

Dabei verfolgt der Gesetzgeber mit dem neuen „Effizienz-Label“, wie so oft, durchaus ehrenwerte Ziele. „Durch die verbindliche Kennzeichnungspflicht der Energieeffizienz von Heiztechnik ist für den Käufer schon auf den ersten Blick deutlich mehr als der bloße Preis eines neuen Heizkessels ersichtlich“, schildert „co2online“ die Vorteile. „Ob Gas-Brennwertkessel, Photovoltaik oder Blockheizkraftwerk: Durch das Label können verschiedene Heizsysteme bezüglich ihrer Klimawirkung transparent verglichen werden.“ Auch Aspekte wie die zu erwartende Geräuschbelastung durch die Heizung seien leichter einzuschätzen.

KOSTEN SIND FÜR DEN VERBRAUCHER NUN EINMAL ENTSCHEIDEND

Zu guter Letzt soll das Label das Bewusstsein dafür schärfen, „dass unterschiedliche Heizungstypen sich bezüglich ihrer Energieeffizienz und ihrer Schadstoffbelastung stark unterscheiden“. Zudem trage die sogenannte „Ökodesign-Richtlinie“ dafür Sorge, „dass sich Hersteller stärker auf die Entwicklung energieeffizienter und CO2-schonender Heiztechnik verlegen werden und umweltschädliche Geräte vom Markt verschwinden“.

Klingt doch alles gut, oder? Und dass dies bislang noch nicht so angenommen wird, liegt demnach nur am mangelnden Interesse und/oder fehlenden Informationen des Verbrauchers?

Nicht ganz: Bei allem guten Willen, der dahintersteckt, ist die Skepsis gegenüber der neuen Kennzeichnung nicht ganz unberechtigt. Knackpunkt ist dabei, wie ebenfalls so oft, das liebe Geld. Die dokumentierte „Energieeffizienz“ geht nämlich nicht zwangsläufig mit niedrigeren Heizkosten einher, und die sind für den Verbraucher nun einmal das entscheidende Kriterium. Gerade von einer neuen Heizung erwartet er, dass sich die Investition in diese irgendwann amortisiert.

GUT GELABELT KANN TROTZDEM TEUER SEIN

„Aufgrund der unterschiedlichen Preise für Öl, Gas, Holz oder Strom bietet das Energielabel keine Information über die zu erwartenden Betriebskosten. Teure elektrische Direktheizungen oder Nachtspeicherheizungen erhalten zudem leider gar kein Energielabel“, erklärt Hans Weinreuter, der als Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz auf jeden Fall als gut informiert und interessiert gilt.

Was nichts anderes heißt als: Eine Heizanlage mit sehr guter Bewertung auf dem Label kann mehr Kosten verursachen als eine weniger energieeffizient arbeitende, wenn für sie ein teurerer Energieträger verwendet wird. Zudem ist eine Heizung immer nur Teil eines Systems, das aus mehreren Komponenten besteht.

„Mit dem Energielabel wird nicht bewertet, ob ein Heizkessel zum Gebäude passt und ob die Leistung des Kessels sinnvoll gewählt ist“, so Hans Weinreuter weiter. Ein Beispiel: Ein Brennwertkessel mit einer ergänzenden Solaranlage mag auf dem Energielabel mit „A+“ bewertet sein, doch verrät die gute Note nichts darüber, ob die Dachfläche, auf der die Zellen installiert werden, für eine optimale Nutzung überhaupt geeignet ist.

„KOSTENEFFIZIENZ“ WIRD VON VIELEN FAKTOREN BESTIMMT

Weitere Faktoren, die einen großen Einfluss auf den Wirkungsgrad einer Heizung haben, sind etwa die energetische Dämmung des Hauses oder die Einstellung der Heizung im Bezug zum Verbrauch. Auch ein regelmäßig durchgeführter hydraulischer Abgleich wirkt sich auf die Betriebskosten aus.

Fazit: Die neue Label-Pflicht ist ein gut gemeinter Schritt zu mehr Energieeffizienz – und taugt durchaus dazu, diese für den Verbraucher ein wenig transparenter zu machen. Allerdings belegt der Aufkleber keineswegs, dass die installierte Heizungsanlage tatsächlich auch Geld spart. Wer dies sicherstellen möchte, muss die umfassende Beratung eines Energieberaters oder Fachhandwerkers in Anspruch nehmen. Und wenn deren Berechnungen ihn überzeugen, wird er bei Bedarf handeln – und mit einem entsprechenden Auftrag nicht nur sich selbst zufriedenstellen, sondern auch das ausführende Handwerksunternehmen glücklich machen.

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