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Wenn der Handwerker Mist baut …

Wenn der Handwerker Mist baut …

… haftet er meistens auch: Allerdings hapert es oft an der Einsicht – und an der Beweiskraft.

Missgeschicke kommen in den besten Familien vor. Sogar in Handwerkerfamilien. Die Frage ist manchmal nur: Wie einsichtig sind diese, wenn sie bei der Ausführung eines Auftrags das Eigentum ihres Kunden beschädigen? Das kann manchmal recht unangenehm werden. Obwohl im Gesetz im Grunde alles klar geregelt ist.

Beispielhaft sei hier ein Fall rekapituliert, den ein geschädigter Immobilieneigentümer dem Internetportal „Frag-einen-Anwalt“ schilderte. Im Zuge von Renovierungsarbeiten an seinem Einfamilienhaus mussten Handwerker einen 300 Kilo schweren Warmwasserspeicher eine Treppe hinauf wuchten. Dabei handelte es sich um eine besondere Stiege, die lediglich auf einer Seite in der Wand verankert war. Angesichts der enormen Belastung hätte die freischwebende Seite besonders abgestützt werden müssen. Dies aber wurde versäumt.

Eine Woche später entdeckte der Eigentümer Risse an den Wandverankerungen einzelner Stufen, offenbar eine Folge der Überlast. Darauf angesprochen, zeigte der Handwerksmeister wenig Bereitschaft, für den Schaden aufzukommen. Er kündigte an, ein unabhängiges Gutachten in Auftrag geben zu wollen. Dieses sollte Aufschluss darüber geben, ob die Risse tatsächlich durch die Aktion seiner Mitarbeiter herbeigeführt worden waren.

Darauf wartete der Hauseigentümer zwei Monate. Nichts geschah. Als er nachhakte, bedeutete ihm der Handwerker, sich doch selbst um ein entsprechendes Gutachten zu kümmern … Womit der Rechtsstreit vom Zaun gebrochen war.

DER „WERKVERTRAG“ REGELT AUCH „NEBENPFLICHTEN“

Inwieweit sich der Geschädigte falsch verhalten hat? Eigentlich nur insofern, als er sich zu lange „hinhalten“ ließ. Und als er am Anfang zu viel Zeit verstreichen ließ, bis er den Schaden entdeckte. So dürfte er nun einige Probleme haben, den Sachverhalt angemessen beweiskräftig zu dokumentieren, beispielsweise anhand von Vorher-Nachher-Fotos. Daher bleibt fraglich, ob er Recht bekommt, wenn er auf Wiedergutmachung des Schadens klagt. Dass er im Recht ist, daran besteht kein Zweifel.

Mit der Auftragsvergabe schließen Auftraggeber und Handwerker einen sogenannten „Werkvertrag“. Zu diesem sind in Paragraph 280, Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) auch „Nebenpflichten“ geregelt. Unter anderem heißt es darin, dass der Handwerker das Eigentum des Auftraggebers „pfleglich“ zu behandeln hat. Verletzt er diese Pflicht, muss er gegebenenfalls Schadensersatz leisten.

Im geschilderten Fall hätte es seine Sorgfaltspflicht geboten, die Treppe vor dem Transportgang in gebotener Weise abzustützen. Selbst für den Fall, dass auch dadurch eine Beschädigung nicht zu vermeiden gewesen wäre, hätte der Handwerker den Auftraggeber auf das Risiko hinweisen müssen, dass die außerordentliche Belastung der Treppe darstellte – und sich diesen Hinweis auch schriftlich dokumentieren lassen müssen, um bei einem anschließenden Streit seinerseits ein Beweismittel zur Hand zu haben.

ZWISCHEN „MANGEL“ UND „SCHADEN“ BESTEHT EIN UNTERSCHIED

Zugegeben: Nicht jeder Fall gestaltet sich so vertrackt. Viel häufiger kommt es nach Malerarbeiten zu Beanstandungen. Wobei zu unterscheiden ist zwischen der Wandfarbe, die aufs teure Erbsofa tropft, und dem unsauberen Anstrich, für den der unerfahrene Stift des Anstreichers mit seinen „Rotznasen“ sorgt.

Die einfach nur schlecht ausgeführte Arbeit ist rechtlich gesehen ein „Mangel“. Um diesen beseitigen zu können, muss der Auftraggeber dem Handwerker eine Gelegenheit zur Nachbesserung gestatten. Die Flecken auf Möbeln oder Parkett dagegen sind ein „Schaden“, der entstanden ist, weil Raum und Gegenstände nicht sorgfältig genug abgedeckt wurden. Hier kann der Eigentümer direkt eine Ersatzleistung verlangen.

Hin und wieder kommt es vor, dass Handwerker darauf verweisen, Subunternehmer eingesetzt zu haben und dass der Geschädigte sich doch an diese wenden sollte. Auch hier spricht die Rechtslage eindeutig gegen den Unternehmer. Ein nicht vom Kunden, sondern direkt von ihm hinzugezogener „Subunternehmer“ ist genau so zu behandeln wie ein eigener Mitarbeiter. Heißt: Schadensersatzpflichtig ist sein Handwerksunternehmen und niemand sonst.

GUTACHTER KÖNNEN DIE HANDWERKSKAMMERN VERMITTELN

Und an wen kann sich der Geschädigte wenden, wenn er am Ende doch eines der viel zitierten Gutachten benötigt, um einen Streitfall zu klären? Einen solchen „neutralen Sachverständigen“ vermitteln in der Regel die zuständigen Handwerkskammern. Er kann unter Umständen allerdings auch schon einmal einen Tausender kosten. Wer den zahlt, müssen die streitenden Parteien unter sich klären und auf eine Einigung hoffen – oder es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen, in dem eventuell der Vorsitzende einen eigenen Sachverständigen bestellt.

Soweit muss es aber nicht kommen: Auf Wunsch kann die Handwerkskammer auch versuchen, eine kostenlose Schlichtung herbeizuführen. Dies gelingt meist dann, wenn es zwischen Handwerker und Auftraggeber lediglich „Kommunikationsschwierigkeiten“ gibt oder nur einfache rechtliche Sachverhalte aufgeklärt werden müssen. Eine solche Schlichtung ist rechtlich allerdings auch nicht verbindlich, sondern endet lediglich mit einer „Empfehlung“ an beide Seiten.

Zu beachten ist ebenfalls: Die Verjährungsfrist für einen Schadensersatzanspruch läuft auch während eines Schlichtungsverfahrens weiter. Sie beträgt drei Jahre. Auch das ist klar im Gesetz geregelt.

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